daria-thailand - @ myblog.de
1. Abflug-Ankunft-Kakerlake

Thailand - das wunderschöne, farbenprächtige, vielseitige Land, das mit seinen Traumstränden, Großstädten und tropischen Temperaturen jedem was zu bieten hat. Mit dieser Erwartung bin ich an diesem frühen Juli-Morgen mit meinem Koffer zu den anderen zehn Reiselustigen am Frankfurter Flughafen dazugestoßen.

Ich musste nicht lange auf die Thai-Kultur warten. Bunte Kleider, Orchideen, lecker Essen -  das alles hatte uns bereits der Flug zu bieten! Theoretisch zwar lange 11 Stunden, die aber dank Thai Airways (von jetzt an und für immer meine erste Wahl) wie im "Flug" vergingen. Neben lila Menükarten, gab es auch lila Säckchen mit Kopfhörern, lila Schüsselchen beim Essen und kuschelige lila Decken. Letztere wurden im Anschluss erfolgreich als Diebesgut aus dem Flugzeug geschmuggelt. (Man ist ja in Thailand, wer weiss was man hier noch gebrauchen kann?)

Mit dieser Entspannung war es aber schnell vorbei als wir den Flughafen von Chiang Mai verließen. Statt eines Ausgangs prallten wir dahinter gegen eine Wand. 1000°C Hitze und 100% Luftfeuchtigkeit standen wortwörtlich vor der Tür und pressten mir beim Hinaustreten den Sauerstoff aus den Lungen. Während der Fahrt zum Hostel schwitzte ich mir das letzte Bisschen verbliebener Flüssigkeit raus. Dazu kam auch, dass  wir dabei zu elft gequetscht in einem Sontheo (eine Art Minibus, der zu allen Richtungen hin offen ist und ein Rausfallen sehr wahrscheinlich macht) saßen. Die beiden Thais, die uns ebenfalls darin Gesellschaft leisteten, sahen auch nicht ganz so glüchlich aus.

Die dafür versprochene Entspannung im Hostel, ging leider auch Flöten als eine ein Meter große, schwarze, widerlich-glänzende Kakerlake gemütlich unter dem Türspalt hindurch ins Zimmer watschelte. Und unser Zimmer war nicht das Einzige mit solch reizendem Besuch. Die ganze Nacht gab es Mädchengekreische aus allen Richtungen und unser einziger männlicher Gefährte war dauerhaft im Einsatz.

Nach einem sehr kurzen Schlaf wachte ich in dem stickigen kleinen Zimmer davon auf, dass mir jemand mit einer sehr menschlichen Stimme ins Ohr sagte „Ge-cko“. Ich schrack hoch, sah aber nur eine Eidechse am Fenster sitzen. Daran musste ich mich wohl erstmal gewöhnen. Das Frühstück machte dafür so einiges wieder gut: Bananenpfannkuchen und Mixed Fruit-Shake.  Lecker!

Diese Energie brauchten wir aber auch wirklich, denn danach ging es erstmal auf den Wararot(oder so ähnlich)-Market. Krach, Gewusel und viele Gerüche überfluteten einen förmlich. Besonders die merkwürdigen Früchte hatten es mir angetan: Da war etwas das wie eine feste Pflaume mit einem Strunk aussah (Mangosteen) und etwas alienartiges mit rot-gelben „Haaren“ (Rambutan) und nicht zu vergessen die Durean! Diese Frucht braucht man nicht lange zu suchen, einfach immer der Nase nach. Sie wird nämlich auch Stinkfrucht genannt und sondert einen bestialischen Gestank ab – eine Mischung aus Käsefüßen, faulen Eiern, Müllhalde und Erbrochenem. Die Thais sagen: entweder man liebt sie oder man hasst sie. Mal schauen ob ich mir DAS auch mal reinziehe.

Im Moment freue ich mich nur darauf endlich diesem Stadtflaire zu entfliehen und zu unserem eigentlichen Ziel aufzubrechen – der School for Life.

13.6.11 18:45


2. Pick(ing)-Up

Strömender Regen, ein alter, rostiger Pick-Up rast über die Autobahn, der wütende Wind peitsch über die Gesichter der Insaßen... Nein, es handelt sich dabei nicht um etwa die Szene aus einem Hollywood-Actionfilm, sondern lediglich um die Anreise zu unserem eigentlichen Projektort.

Bereits nach wenigen Stunden in Chiang Mai und den ersten nützlichen Einkäufen, stand unsere Gruppe wieder reisebereit vor dem Hostel und wartete auf den verabredeten Transport zur School for Life.  Wie bestellt und nicht abgeholt, sagt man dazu im fernen Deutschland. Unsere Abholer kamen nämlich mit vollen zwei Stunden Verspätung, was wohl der erste Vorgeschmack auf das Thai-Zeitverständnis sein sollte. Schnell wurde klar, wie die Fahrt von Statten gehen wird: zwei Pick-Ups mit je zwei „Innensitzen“, je einer offener Ladefläche und 12 Fahrgäste. So verteilten wir uns auf den Ladeflächen und suchten uns höchstgemütliche Sitzgelegenheiten. Ein Paar hatten das Glück auf Klopapierpackungen sitzen zu können. Ich hatte es weniger komfortabel erwischt – in Plastik eingepackte Wasserflaschen durften meinem Hintern als Polster dienen.

Anstrengend? Schmerzhaft? Gefährlich? Das war es nicht. Zumindest nicht so gefährlich, schmerzhaft und anstrengend wie es später wurde. Denn von einer Minute auf die andere fing es wie aus dem Eimer an zu schütten. Der Monsun höchstpersönlich erwies uns die Ehre. Eine Stunde lang fuhren wir also auf einer offenen Ladefläche, bei einem furchtbaren Unwetter mit 100km/h über die Autobahn. Schon nach wenigen Minuten lief die Ladefläche halbvoll und die Flaschen unter mir fingen an hin und her zu rutschen. Zitternd, frierend und nass bis auf die Knochen (ich zudem, mit einem kunstvollen Abdruck auf dem Hintern) kamen wir dennoch heil an den Toren der Schule an.

In tiefster Dunkelheit bezog ich mein Moskitonetz-Zimmer, das ich mir mit drei anderen teilte und fiel nach all den Abenteuern in tiefsten Schlaf. Doch schon am nächsten Tag gab es ein Wiedersehen mit unserem altmodischen Transportmittel. Der Anlass war allerdings erfreulicher: In Thailand war Muttertag bzw. der Geburtstag der Königin.

So fuhren wir in ein Nachbardorf, um dort schon unerwartet früh ein bisschen Thai-Kultur zu schnuppern. Es gab Musik, Gesang, Kerzen, Blumen, ein übergroßes Portrait der – noch jungen – Königin und Lampinions mit Kerzen darin. Angezündet und in die Luft gelassen, sollen sie einem wohl einen Wunsch erfüllen. Hunderte von diesen leuchtenden Lampen schwebten an diesem Abend über den dunklen Himmel. Was sich die Menschen wohl gewünscht haben?

26.6.11 23:28


3. School for Life

Von einem Deutschen gegründet, stellt die School for Life eine Mischung aus Waisenheim, Schule und Ausbildung dar. Die Kinder leben hier, gehen zur Schule und werden im Hotelwesen ausgebildet. Was wir hier machen? Im Moment buddeln wir fleißig in der Erde.

Vor einigen Tagen angekommen, fing the German Group auch direkt mit der Arbeit an: einen Weg zu entpflastern, um daraus anschließend einen Platz zu bepflastern. Als Belohnung für diese unglaublich sinnvolle Tätigkeit gibt es für uns jeden Abend ein leckeres Essen in den Familien, während tagsüber in der „Kantine“ gespeist wird. Dort standen inzwischen auf der Karte solche Highlights wie Glibber-Tofu-Glasnudel-Pampe, Eier in Zimtsoße, Fischköpfe und – absolut einmalig – gedünstete Hühnerfüße. Da freut man sich auf den Besuch bei den Families jeden Tag umso mehr.

Ein kleiner Exkurs in das Familiensystem der School for Life:

D.N. Family: Gleich am Anfang rechts (bekannte Kinder: Senmi).

Unairak-Family: Das lange Haus gleich links (bekannte Kinder: Et, Mimi).

Or-Family: Die große Familie mit den meisten Kindern. Immer laut, viel los und einfach so kommt man nach dem Essen nicht davon  (bekannte Kinder: Ah & Oh).

Suxan-Family: Die Friseurfamilie, ganz unten. Viele Moskitos, dicke Mama und immer Nachtisch.

Imun-Family: Das alte Restaurant, die kleinste Familie. Immer leer und etwas ungemütlich.

Der Alltag in der Schule sieht also immer gleich aus: Um 5:30 fangen die Kinder an, neben unserer Bleibe Fußball zu spielen. Damit man dann aber nicht nochmal in Tiefschlaf versinkt, läutet eine halbe Stunde später der Morgengong. Nach dem Frühstück um 8:00 erfolgt das Morgenritual: Flagge hissen, ein buddhistisches und ein christliches Gebet, die School for Life-Hymne und danach die Morgenmeditation. Die Kiddies sollen ja schließlich zum Unterricht, der dann erst um 16:00 endet. Gerade rechtzeitig zur Öffnung des schuleigenen Kiosk. Wobei die Zeit, wenn die kleine Bude ihre Türen öffnet hier ganz thai-like variiert. Nach dem Abendessen um 18:00, werden bei uns die Essenserfahrungen ausgetauscht und anschließend um 22 Uhr ist auch für uns Nachtruhe.

Aufregend und abwechslungsreich wird es in der Schule wenn hoher Besuch ansteht: der Papa. Der Begründer der School for Life beehrt das Projekt rund um das Jahr immer wieder mit seiner Anwesenheit.  Dabei residiert er natürlich im größten, schönsten und luxuriösesten Bungalow der Schule. Selbstverständlich war the German Group dort eingeladen, um das Ganze von Innen bewundern und einen kleinen Klatsch mit dem Herren des Hauses abhalten zu können.

Diesmal kam der Papa sogar in prominenter Begleitung. Mit einer deutschen Schauspielerin, deren Name hier nicht gennant werden soll, um einersteits ihre persönlichen Rechte zu wahren und weil andererseits eh keine Sau sie kennt. Die Dame reiste mit ordentlich Gepäck und Personal an und verschloss sich erstmal in ihrem Bungalow. Erst zur Feier, die zu ihrer Ehren von der Schule veranstaltet wurde, bekamen wir sie zu Augen. Komplett abgeschottet und distanziert saß sie mit ihrer crew in einer Ecke. Erst als Papa eine Rede – übrigens in bestem native-speaker-english – hielt, blickte sie wieder auf, verzog sich aber genauso schnell wieder auf ihr Zimmer.

Am nächsten Morgen wurden dann ein Paar Fotos mit den Kindern geschossen und fröhlich mit den Lehrern Hände geschüttelt. Bei ihrer Ankunft in Deutschland heißt es dann wahrscheinlich „ehrenamtlich engagiert“, „Hilfe für bedürftige Waisenkinder geleistet“ und „soooviel erlebt und mitgefühlt“. Ihr PR-Manager wird sich bestimmt freuen. Und wir... tja, wir gehen mal weiter an die Arbeit und machen uns auch mal dreckig.

Zitat des Tages: „But how can they stay, if they are downstairs?!“

 

5.7.11 22:47


15.7.11 13:09


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